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Ehrenämter
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Anny25
Gast

 
Beitrag: #1
Ehrenämter
....für eine Gesellschaft unglaublich wichtig:ehrenamtliche Arbeit. Tut ihr etwas ehrenamtliches oder bringen sich eure Partner irgendwie in die deutsche Gesellschaft ein?
Ich habe immer das Gefühl, dass im arabischen Raum die Bereitschaft etwas unentgeltlich für eine gute Sache zu tun eher rar ist (außer im Ramadan).
Auch bei meinem Mann habe ich das oft festgestellt- er konnte nicht verstehen, wie man auf einem Fest mal einen Arbeitsdienst ausübt oder in einer Organisation tätig ist. Oft war der O-Ton: "Warum bist immer du unterwegs- sollen es doch Andere machen."
Mittlerweile habe ich ihn aber dazu gebracht sich im Asylbereich zu engagieren und siehe da...es macht ihm sogar Spaß anderen zu helfen und er geht wöchentlich seiner Aufgabe nach.


LG Anny
15.07.2015 19:20
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sahar Offline
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Beiträge: 137
Registriert seit: Dec 2012
Bewertung 2
Beitrag: #2
RE: Ehrenämter
Das sich die Menschen im arabischen Raum nicht ehrenamtlich für die Gesellschaft einsetzen würde ich so nicht unterstreichen.
Es läßt sich glaube ich auch nicht sosehr mit hier vergleichen.
Wir leben hier in einer Gesellschaft wo wir denke ich vielmehr mit uns selbst beschäfftigt sind und dabei fallen so einige Menschen hinten über ,die schwächeren Glieder der Gesellschaft z.B. Menschen mit Behinderung,alleinstehende ältere Rentner,Kinder aus sozialschwachen Famillien usw.
Diese bedürfen dann hier der Hilfe von ehrenamtlichen Mitarbeitern die caritative Arbeit leisten.

In Tunesien helfen sich die Menschen doch noch mehr untereinander und das Pflichtgefühl innerhalb der (noch-)Großfamillie ist doch viel stärker ausgeprägt als hier.
In der ganzen Zeit das ich verheiratet bin habe ich immer wieder erlebt das wenn wir vor irgendeinem Problem stehen,sich immer wieder einer der Brüder oder der hier lebenden Freunde meines Mannes zu finden ist, der irgendwie innerhalb seiner Möglichkeiten aushilft.Die Tunesier die ich kenne helfen ohne Erwartung einer Gegenleistung derjenigen Person die Hilfe bedarf,vielmehr vertrauen sie darauf das die Gegenleistung nicht unbedingt von dieser sondern so oder so auch durch einen anderen zu ihnen zurückkommt und ich muß sagen das funktioniert tatsächlich.

LG sahar
15.07.2015 22:42
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Fanta Offline
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Beiträge: 1.398
Registriert seit: Sep 2014
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Beitrag: #3
RE: Ehrenämter
Ich würde aus meiner Sicht sahar zustimmen. ich glaube die Art der Hilfe unterscheidet sich vielleicht von denen in Deutschland.
Ich kenne die Hilfe von meinem Mann so, dass er immer wieder Freunden oder Familienmitgliedern mit Geld weitergeholfen hat, wenn Sie es für eine medizinische Untersuchung brauchten, die sie sich alleine nicht hätten leisten können. Genauso stand er mit seinem Auto bereit, falls jemand vom Flughafen abgeholt werden musste, zu einer Arztbehandlung in die Hauptstadt musste oder nicht anders zur Arbeit gekommen ist. Gleichzeitig hat er immer arme Familien unterstützt mit Kleidung oder Spielzeug für die kleinen.

Aber in gewisser Weise stimme ich auch dir zu Anny, denn über die Art der Hilfe hier, hat er sich auch erstmal skeptisch geäußert.

Ich war lange Zeit in der Ausländerberatung/Flüchtlingshilfe tätig um Einwanderer bei Papierkram, Visumsbedingungen, AE usw. zu unterstützen. Das hat mir viel Spaß gemacht und jemanden zu helfen viel gegeben. Er verstand auch nicht, wie man für sowas soviel Zeit investieren kann und hatte immer Bedenken, dass ja auch schwarze Schafe unter ihnen sind, die es auf einen Abgesehen haben könnten. Also entweder denken Deutsche da zu optimistisch oder Araber sind einfach zu misstrauisch Big Grin

Über kurz oder lang habe ich den Job erstmal an den Nagel gehängt. Mein Mitarbeiter auf der Arbeit war längere Zeit erkrankt und ich bekam keine Vertretung. Ich habe dann 200 % gearbeitet und gemerkt, dass ich den Menschen damit auch weiterhelfe. Zwar nicht nur Ausländern, aber das ist ja erstmal egal. Beides war mir dann einfach zuviel + mein Mann kam zu der Zeit nach D und das war auch eine Aufgabe für sich. Meine Arbeit ist ruhiger geworden und er hat mich schonmal gefragt, ob ich nicht wieder anfangen will, aber ich muss sagen, dass ich jetzt eher unsere eigene Familienplanung im Kopf habe und es auch ganz schön ist nicht so viele Verpflichtungen zu haben.
16.07.2015 08:18
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Anny25
Gast

 
Beitrag: #4
RE: Ehrenämter
Schön und gut, aber die Hilfe innerhalb der Familie und Freundschaftsdienste als Ehrenamt zu bezeichnen...meist wird es ja getan, weil man sich Ähnliches zurück erhofft. Einsatz für Benachteiligte in der Gesellschaft, Pflege von Kulturgütern, wirkliche uneigennützige Arbeit für Fremde oder eine gute gesellschaftliche Sache gibt es einfach viel zu wenig.
16.07.2015 15:50
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chottmeriem Offline
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Beiträge: 421
Registriert seit: Sep 2012
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Beitrag: #5
RE: Ehrenämter
Dass sich in Tunesien weniger mit ehrenamtlicher Tätigkeit beschäfitgen, liegt wohl auch an den Lebensumständen. Wir haben es verhältnismäßig leicht, im Vergleich zu den den Lebensumständen der meisten Tunesier, gerade in jetzigen Zeiten.
Wenn man um seine eigene Existenz kämpfen muss, bleibt da wohl auch wenig Raum für ehrenamtliche Tätigkeiten und ist auch schon Hilfe innerhalb der Familie ein Kraftakt.

Nur wer nicht um die eigene Existenz kämpfen muss hat doch den Kopf frei für ehrenamtliche Tätigkeiten.

Und ich meine nicht das, was hier einige als "um die Existenz kämpfen" bezeichnen.

Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.

Alles, was man mit Liebe betrachtet, ist schön.
16.07.2015 20:43
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Wolke Offline
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Beitrag: #6
RE: Ehrenämter
Hallo Anny25,

mein Mann und ich engagieren uns seit über 10 Jahren ehrenamtlich in Vereinen. Außerdem unterrichte ich unentgeltlich Flüchtlinge (Deutsch als Zweitsprache), die nächstes Jahr ihren Schulabschluss machen sollen und dann eine Ausbildung beginnen. Die ehrenamtlichen Aufgaben sind sehr zeitaufwändig, aber auch unheimlich erfüllend. Hier in Deutschland haben wir viele Tunesier, mit denen wir zusammen Projekte umsetzen. Auch in Tunesien kenne ich viele ehrenamtliche Helfer. Allerdings ist das "Ehrenamt" dort (noch) nicht so ausgeprägt wie bei uns in Deutschland.

LG Wolke

Senden Sie TUNESIEN an 81190(5.00 EUR/SMS gehen an Helft Tunesien e.V., 0.17€/SMS an den Mobilfunkanbieter, nur aus D möglich)
16.07.2015 22:32
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Anny25
Gast

 
Beitrag: #7
RE: Ehrenämter
(16.07.2015 20:43)chottmeriem schrieb:  Dass sich in Tunesien weniger mit ehrenamtlicher Tätigkeit beschäfitgen, liegt wohl auch an den Lebensumständen. Wir haben es verhältnismäßig leicht, im Vergleich zu den den Lebensumständen der meisten Tunesier, gerade in jetzigen Zeiten.

Naja, Chott...auch in Tunesien gibt es viele Mittelstandsfamilien, die einen normalen Alltag leben.
Zudem gibt es viel Zeit, die dann lieber sitzend in Cafés oder eben im Salon zuhause verschwendet wird....
Es spricht ja auch keiner von finanziellem ehrenamtlichen Engagement oder großen Zeitaufwänden.
Aber möglicherweise fehlt auch eine gewisse organisierte Struktur oder ein Netzwerk, wo man einsteigen könnte.

@Wolke: Ich finde das toll. Ich arbeite seit Kurzem hauptamtlich in der Flüchtlingshilfe und weiß, wie wichtig die ehrenamtlichen Deutschkurse sind!

LG Anny
17.07.2015 17:06
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Wolke Offline
Administrator
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Beiträge: 3.206
Registriert seit: Mar 2008
Bewertung 13
Beitrag: #8
RE: Ehrenämter
Zitat:@Wolke: Ich finde das toll. Ich arbeite seit Kurzem hauptamtlich in der Flüchtlingshilfe und weiß, wie wichtig die ehrenamtlichen Deutschkurse sind!

Hallo Anny25,

ich sehe das mit den ehrenamtlichen Deutschkursen etwas kritisch. Oftmals sind die "Lehrer" in den ehrenamtlichen Deutschkursen keine Menschen, die DaF/DaZ studiert haben. Die deutsche Sprache auf C2-Nivau zu beherrschen und DaF/DaZ zu unterrichten sind zwei völlig verschiedene Dinge. Ich kenne Menschen, die in einem Wochenendseminar Grundwissen für den Sprachunterricht vermittelt bekommen haben und dann ihr Bestmögliches versuchen. Meine Sorge bei den ehrenamtlichen Deutschstunden ist, dass sich eventuell (durch unabsichtliche) Unkenntnis ein "falsches" Deutsch fossiliert oder die Lerner zwar den erlernten Satz können, aber weil die "Regeln" nicht entsprechend vermittelt werden konnten, diese dann nicht auf andere Sätze anwenden können. Ebenso ist das Wissen um die Progression in DaF/DaZ-Kursen unabdingbar, da man sonst versucht, dass "C" vor dem "A" (bildlich) zu vermitteln. In einem solchen Fall kann der Lerner das Gelernte im besten Fall in der entsprechenden Stunde anwenden, stolpert aber spätestens in der übernächsten Stunde wieder über Dinge, die für den Lehrer ja schon vermittelt wurden und doch nun endlich sitzen müssten. Dies ist für Lerner und Lehrer eine unbefriedigende Situation und wird von "Laien" aber oftmals nicht als ihr Verschulden erkannt. So etwas kann einen Lerner stark deprimieren und seine Motivation negativ beeinflussen (da er die Schuld bei sich sieht).

Davon mal ganz abgesehen finde ich es sehr wichtig, dass die DaF/DaZ-Lerner sehr viel mit Muttersprachlern in Kontakt kommen. Eine Sprache muss gesprochen werden, um sie zu lernen (Prinzipien des modernen Fremdsprachenunterrichts).

LG Wolke

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20.07.2015 21:01
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Anny25
Gast

 
Beitrag: #9
RE: Ehrenämter
Hallo Wolke,
Ich sehe es ein bisschen differenzierter und nicht nur von der sprachwissenschaftlichen Seite. Wenn es die ehrenamtlichen Deutschkurse nicht gäbe, würde für viele nicht anerkannte Flüchtlinge gar kein Sprachtraining stattfinden. Geld für qualifizierte Lehrkräfte ist keins da bzw wird ein Sprachkurs für Asylbewerber ohne Status überhaupt nicht bezahlt. Dies hätte monate-und evtl sogar jahrelanges Nichts-Lernen und Tun zur Folge. Da ist es mir lieber, wenn Ehrenamtliche-oft sind es ja auch pensionierte Pädagogen ihre Dienste anbieten und unterstützen. Viele von unseren Flüchtlingen gehen gerne zum Sprachkurs- auch wenn er sicher nicht der gleichen Professionalität entspricht wie der einer gebildeten Lehrkraft. Aber ohne ginge es nicht und es wäre kein Angebot da.

Viele Grüsse
21.07.2015 09:19
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Goldbärchen Offline
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Registriert seit: Sep 2010
Bewertung 0
Beitrag: #10
RE: Ehrenämter
Hallo!

Mein Mann hat sehr gerne das Ehrenamt für Flüchtlinge gemacht.Das Ausländeramt und die Gemeinde war jedesmal froh ,wenn er dabei war,zum übersetzten.Auch die Klasse die er hatte,um ein bisschen Deutsch zu lernen,hier vor Ort.Als wir damit anfingen,hatte sich niemand ,um die Flüchtlinge gekümmert.Wir waren um jedes Wort Deutsch froh,was sie gelernt haben,da auch einige kaum oder nie eine Schule besucht hatten.Bis die Integrationslotsin auftauchte und mein Mann nachher total fertig war.

Vorher wurde er gelobt:Jetzt kommt richtig der Lehrer aus ihm raus,im Unterricht,toll wie er es macht..... Schließlich hat er Lehramt studiert.....
Aufeinmal war alles nicht mehr Richtig.Wir haben mit den Flüchtlingen gesprochen,die Fragten immer wo ist H. wir vermissen ihn.Es war eine andere Lehrerin da ,die ein Unterricht macht nach Deutschen Vorgaben.
1 Tag waren alle da,2 mal keiner ,3mal holte die Integr. Flüchtlinge mit Autos ab für den Unterricht. Es wurde beschlossen,das von 75 Flüchlinge nur 10 den Unterricht besuchen und die anderen brauchen kein ,da sie zu langsam lernen.
So läuft es hier ab und ich hab ein Hals.
Wenn ich das Wort "fossilieren" hören geht mein Blutdruck hoch rollyes
Wir wollen mal in der Realität bleiben,wieviel von den Flüchtlingen werden einen Deutschenbrief mal schreiben oder ein Deutsches Buch freiwillig lesen.
Wieviele davon haben eine geringe Schulische Ausbildung, man sollte froh sein,das die ersten Deutschen Wörter halbwegs verständlich rüberkommen.
Wenn der Asylantrag durch ist,wird der Integrationskurs besucht,da wird alles vertieft.Die freiwilligen Deutschkurse für den Altag im Ort,sollten so einfach wie möglich gehalten werden.Wurde auch so von Deutschen Lehrer hier vor Ort gesagt,die komplett abgelehnt haben ,so unter der Integrationslotsin zu arbeiten.Die Feinheiten,der Aussprache kommen später bzw. einigen werden immer Probleme haben,da nicht alle Sprachtalent haben.
Die studiert haben ,lernen bei uns oft allein,denen fällt es leichter,da sie das Lernen auch gelernt haben.
Mein Mann hat niemanden den Unterricht verwährt,jeder war Willkommen.Nach dieser Aktion haben wir gesagt,das wir nichts mehr machen und er hat auch keine Lust mehr.
Wir Deutschen sollten unsere Ansprüche an den Flüchtlinge runterschrauben.
Wenn studierte Asyl gehen ,weil der Antag durch ist,dann sagt sie :Jetzt könnt ihr alles machen ,weiter studieren und und.... Sie erwähnt nicht ,das nach der Integrationsschule die Sprachkurse viel Geld kosten,das Test DAf gemacht werden muss,das alles Geld kostet auch das Leben auf der Uni.Dann geht das Handy von mein Mann und er soll helfen.Er erklärt ihnen immer wieder, wie der Weg ist und welche Kosten auf sie zukommen ,auch für Übersetzungen der Papiere.
Das hat er neben seine Arbeit vorher jeden Vormittag gemacht und hatte Spaß dran.
Goldbärchen Mann meinte :Sieht so ein Ehrenamt aus,wenn man Helfen will,das man von Deutschen rausgedrängt wird? Darauf hab ich keine Lust...
Das neuste ist, das jemand Ehrenamtlich Reitunterricht gibt für Flüchlinge auf eine Pferderanch,sehr hilfreich zum überleben.

Bin bisschen vom Thema abgewichen ,weil die Frage war Tunesier und Ehrenamt-wollte nur ein Fallbeispiel erzählen ,warum vielleicht jemand dazu keine Lust mehr hat und sagt Ehrenamt Nein Danke.

Goldbärchen
21.07.2015 14:33
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